The Long Way There

The Long Way There

Das Mid South in Stillwater, Oklahoma, ist mehr als nur ein Gravel Event. Es ist ein Wochenende, das viel verlangt – von der Anreise über die Strecke bis hin zu den Momenten, in denen nicht nur die Beine, sondern vor allem der Kopf entscheiden muss, wie es weitergeht. 

Für den Dirt Squad begann dieses Wochenende mit einer langen Anfahrt. Michelle war drei Tage von San Diego nach Stillwater unterwegs und kam am Donnerstag erschöpft an. Vor dem gemieteten Haus wartete bereits eine perfekte Gravel Road – genau die Art von Straße, für die sich die Reise gelohnt hatte. An eine erste Ausfahrt war trotzdem nicht zu denken. Dafür war die Anreise zu lang, die Müdigkeit zu präsent. 

Nach und nach traf auch der Rest des Teams ein: Frank zuerst, dann Crystal und Nick, später Lissa. Viele kannten sich bis dahin vor allem aus Zoom-Calls. Vor Ort wurde daraus schnell etwas anderes. Spätestens beim gemeinsamen Pizza-Abend war klar, dass dieses Wochenende nicht nur von individuellen Rennen, sondern vor allem von Teamdynamik geprägt sein würde. 

 

 

Zwei Tage, zwei Herausforderungen 

Der Freitag gehörte zunächst den Läuferinnen. Crystal startete über die Halbmarathon-Distanz, Lissa über die 50 Kilometer. Für Michelle begann der Tag auf der Expo, gemeinsam mit Rob und Frank, mit den letzten Besorgungen vor dem Wochenende – Kettenöl, ein vergessenes Bandana, die letzten Handgriffe vor dem Rennen. 

Später stand sie an einer Schotterstraße irgendwo im ländlichen Oklahoma und feuerte Lissa bei Kilometer 23 ihres Ultramarathons an. Genau solche Momente zeigen, was ein Wochenende wie Mid South besonders macht: Es geht nicht nur um die eigene Leistung, sondern auch darum, füreinander da zu sein. 

Gut vorbereitet an den Start 

In der Nacht vor ihrem eigenen Rennen schlief Michelle kaum. Nicht aus Nervosität, sondern eher aus Vorfreude. Ernährung, Hydration und Streckenprofil waren vorbereitet, das Setup stand. Auch beim Kit gab es keine offenen Fragen. 

Mit dem CUORE Silver Race Jersey 2.0 und der Silver Bib Short war für sie schnell klar, dass alles passt. Gerade an einem kühlen Morgen in Oklahoma machen Details den Unterschied. Die etwas längeren Ärmel des Jerseys fielen ihr direkt positiv auf. Die Bib Shorts taten genau das, was gute Bib Shorts tun sollen: Sie funktionierten, ohne Aufmerksamkeit zu verlangen. 

50 Meilen Mid South 

Am Samstagmorgen rollte der Dirt Squad gemeinsam gegen 7:15 Uhr an die Startlinie. Michelle startete zusammen mit Nick und fand gut ins Rennen. Die erste Hälfte war geprägt von guter Stimmung, Tempo und dem Versuch, die richtige Balance zwischen Race Day und Erlebnis zu finden. Irgendwann kam der Moment, an dem aus dem gemeinsamen Rollen wieder voller Fokus wurde. 

Eine der Überraschungen des Tages wartete am zweiten Rest Stop: die Salsa Chaise, ein fast schon ikonisches Element des Mid South, normalerweise eher den 100-Meilen-Fahrer:innen vorbehalten. Dass sie auch für das 50-Meilen-Feld aufgebaut war, machte diesen Moment besonders. 

Kurz danach folgte mit dem Bovine Bypass einer der bekanntesten Singletrack-Abschnitte der Strecke. Michelle fuhr einen Teil davon, entschied sich dann aber bewusst dafür, den Rest zu gehen. Nach vielen Rennstunden und weit jenseits der 40-Meilen-Marke ist das keine Schwäche, sondern eine kluge Entscheidung. Der Rückweg nach Stillwater lief danach wieder flüssig, und Michelle kam mit genau dem Gefühl ins Ziel, das einen starken Renntag ausmacht: leer, aber nicht gebrochen. 

Lissa und das Mid South Double 

Während Michelle ihr Rennen beendete, war Lissa noch mitten in ihrer eigenen Herausforderung. Und die war an diesem Wochenende besonders. 

Lissa Muhammad war seit 2017 keinen Marathon mehr gelaufen. Nicht, weil sie dem Laufen den Rücken gekehrt hatte, sondern weil der Radsport in den vergangenen Jahren ihren Fokus komplett eingenommen hatte. 2020 fand sie über den Major Motion Cycling Club in Los Angeles nicht nur eine sportliche Community, sondern eine Art erweiterte Familie. Eine Gemeinschaft, die sie auch durch den Verlust ihres Ehemannes getragen hat. 

Vom Freizeitradfahren führte ihr Weg in den Crit-Rennsport, weiter bis zur Masters-Staatsmeisterschaft. Später brachte sie Ride for Racial Justice auch zum Gravel. Dort fand sie genau das, was diesen Sport für viele so besonders macht: lange Straßen, Freiheit und keinen Druck, sich über Tempo oder Platzierung definieren zu müssen. 

Eine große Entscheidung 

Ende 2024 kam dann die Idee, das Mid South Double anzugehen: Freitag 50 Kilometer laufen, Samstag 100 Meilen auf dem Gravelbike. 

Lissa sagte zu. 

Das Radfahren war dabei nicht das Problem. Die größere Herausforderung war das Laufen. Sie wusste, dass sieben Jahre ohne Marathon nicht spurlos vorbeigehen. Ihr längster Lauf in der Vorbereitung auf die 50 Kilometer waren acht Meilen. Statt mit Gewalt noch Umfang aufzubauen und eine Verletzung zu riskieren, entschied sie sich für einen ehrlichen Zugang: Run-Walk, Fokus aufs Finish, kein unnötiger Druck. 

Genau dafür ist Mid South der richtige Ort. Ein Event, das jede Finisherin und jeden Finisher feiert – unabhängig von Zeit oder Platzierung. 

Support auf der Strecke 

Am Freitagmorgen lief Crystal die ersten 6,5 Meilen mit Lissa gemeinsam. Danach war Lissa allein mit der Distanz. Gerade in der Mitte eines Ultras beginnt der schwierigste Teil: Die Anfangsdynamik ist vorbei, das Ziel noch weit weg. 

Irgendwo um Meile 23, an einem Anstieg und mit Füßen, die längst schmerzhaft auf sich aufmerksam machten, sah Lissa plötzlich Crystal vor sich auf der Strecke. Crystal hatte ihren Halbmarathon bereits beendet, war zurück zum Haus gefahren und dann noch einmal raus auf die Strecke, um ihre Teamkollegin zu unterstützen. 

Die beiden gingen ein Stück gemeinsam. Nicht weit, aber weit genug. Crystal fragte, wie es ihr ging, und Lissa antwortete ehrlich: Der Körper schmerzte, die Füße brannten. Dann sagte sie den Satz, der für den Rest des Wochenendes entscheidend werden sollte: 

Ich werde nicht aufgeben. 

Später, wenige Kilometer vor dem Ziel, trafen Crystal und Michelle sie erneut. Von da an ging es nur noch darum, sie weiter im Rennen zu halten. Gemeinsam liefen und gingen sie die letzten Kilometer mit ihr, bis das Ziel in Sicht kam. 

Ein Finish, das bleibt 

Lissa kam ins Ziel, begleitet von Applaus, Stimmen und Blumen. Als letzte weibliche Finisherin über die 50 Kilometer erhielt sie einen Blumenstrauß – eine dieser Gesten, für die Mid South bekannt ist. Ihre Teamkolleg:innen jubelten, ebenso Menschen, die sie vorher nie getroffen hatte. Für einen kurzen Moment trat selbst der Schmerz in den Hintergrund. 

Zurück im Haus war er allerdings sofort wieder da. 

Die Blase am Ballen ihres linken Fußes war groß, die Schuhe vom Vortag standen in der Ecke. Die entscheidende Frage für die Nacht lautete nicht, ob der Lauf zu viel gewesen war. Die Frage war, ob der Fuß am nächsten Morgen in einen Radschuh passen würde. 

Er passte. 

Noch einmal an die Startlinie 

Am Samstagmorgen stand Lissa gemeinsam mit Crystal erneut an der Startlinie – in ihrem gold-schwarzen Ride for Racial Justice Kit von CUORE aus dem Jahr 2021. Die Beschwerden waren noch da, aber auf einem Level, mit dem sie arbeiten konnte. 

Die ersten 60 Meilen liefen kontrolliert. Dann kamen die Hitze und die Belastung des Vortags gleichzeitig zurück. Die Schultern machten zu, die Hände wurden taub, und der Körper reagierte deutlich auf die Doppelbelastung. Am zweiten Aid Station nahm Lissa Crystal kurz zur Seite und sagte nur: 

Lass mich nicht aufgeben. 

Offene Kapitel schließen 

Hinter diesem Satz stand mehr als die Belastung des Augenblicks. Im Jahr 2025 war Lissa auf der 50k-Strecke des Mid South nur eine Meile vor dem Ziel aus dem Rennen genommen worden, als Feuer in Stillwater zum Abbruch der Veranstaltung führten. Ihr Finish blieb offen. Die 100-Meilen-Ausgabe wurde damals komplett abgesagt. 

Sie war also mit zwei offenen Kapiteln nach Stillwater zurückgekehrt. Eines hatte sie am Freitag geschlossen. Das zweite wollte sie diesmal ebenfalls zu Ende bringen. 

Crystal hielt sich an die Abmachung. Die beiden fuhren die letzten Meilen gemeinsam, holten den Sonnenuntergang ein und überquerten die Ziellinie als Team. 

Was bleibt 

Am Abend saß der gesamte Squad gemeinsam am Tisch, während aus Kilometern langsam Geschichten wurden. Kurz bevor Frank nach seinen 100 Meilen zurückkam, erreichte auch die letzte Finisherin des 50-Meilen-Rennens das Ziel – empfangen von einer Menge, die den ganzen Tag geblieben war. 

Genau das macht Mid South aus. Dieses Event feiert nicht nur Leistung an der Spitze, sondern vor allem das Ankommen, das Durchziehen und den Einsatz aller, die sich der Strecke stellen. 

Michelle saß am Sonntagmorgen bereits wieder im Auto Richtung San Diego. Lissa dachte schon an das nächste große Ziel: Unbound 200 in Emporia. 2025 hatte sie die Strecke zwar technisch beendet, lag aber 40 Minuten außerhalb des offiziellen Cutoffs und wurde damit als DNF geführt. Im Juni will sie das ändern. 

Nach einem Wochenende wie diesem ist klar, was sie dabei mitnimmt: Große Ziele wirken oft nur als Ganzes einschüchternd. Wer sie in kleinere Etappen zerlegt, macht sie greifbar. 

Oder, wie Lissa es heute sieht: 
Die Zahl ist groß. 
Die einzelnen Schritte sind es nicht. 

In Stillwater, an einem kalten Morgen im März, mit einer Blase, die sie wahrscheinlich hätte stoppen sollen, hat sie sich dieser großen Herausforderung wieder gestellt. Und sie erneut gemeistert.